Ameisenbär © Thérèse Hilbold

Wiedereröffnung des Zoo von Vincennes

Publiziert am 27/04/2014 von theresehilbold

Dieser Artikel ist auch verfügbar in: Französisch

Es handelt sich weder um den größten, noch den ältesten Zoo der Welt. Und auch nicht um den mit den meisten Tierarten. Aber alle Pariser lieben ihn leidenschaftlich, seit 80 Jahren…

Der mit seinem emblematischen 65 Meter hohen Betonfelsen ungewöhnliche Zoo von Vincennes hat seine Türen Mitte April nach sechs Jahren umfassender Umbauarbeiten wieder eröffnet.

Keine Spur mehr von übelriechenden Käfigen, traurigen, in  ihren Gehegen Kreise ziehenden Wölfen, apathischen Löwen und verfallenden Kunstfelsen. Stattdessen wurden ausgedehnte Flächen mit erstaunlichen Anlagen sowie üppigen und exotischen Pflanzen errichtet. Im Mittelpunkt soll das Wohlbefinden der Tiere stehen.

Diejenigen, die den Zoo noch aus früheren Zeiten gekannt haben, vergleichen ihre Vorher-Nachher-Eindrücke und sind manchmal ein wenig enttäuscht: Die Anlagen erscheinen unbewohnt (rund tausend Tiere, nur 186 Arten, das sind um die Hälfte weniger als vorher). Manche leeren Gehege warten noch auf ihre verspäteten Bewohner, wie das weiße Nashorn. Und die neu gepflanzte Vegetation scheint in all diesem Beton noch sehr farblos…

Eine Humboldt-Pinguine-Kolonie. 40% der Tiere im Zoo sind vom Aussterben bedrohte Tierarten © Thérèse Hilbold

Was den von seinen Erinnerungen geleiteten Besucher auch verwirrt, ist die ganz neue Weise, die Tiere zu präsentieren: Früher wurden sie in einer sehr klassischen zoologischen Ordnung eingeteilt: Primaten, Bären, Raubkatzen, Huftiere…

Heute – und das ist sehr interessant – werden die Tiere in fünf Ökosysteme, die verschiedene Biotope nachbilden, zusammengefasst: Sahel-Sudan (Savannen und Deltas), Europa (Nadelwälder, Sumpf, Heideland), Guyana (äquatorialer Wald), Madagaskar (Regenwald) und Patagonien (Pampa, Andenwald, felsige Küsten).

Man kann sich so mit der Welt, in der jedes der Tiere zu Hause ist, vertraut machen, von Straußen über Wollaffen und Kaimane bis zu Luchsen. Man sieht außerdem, wie die Tiere zusammen leben, genauso wie in der Natur: die Zebras mit den Nashörnern, die Giraffen mit den Kudus, die Flamingos mit den kahlköpfigen Ibissen…

Zebras: eine bedrohte Art © Thérèse Hilbold

Denn der neue Zoo von Vincennes vereint mit Talent Pädagogik und Schutz der Biodiversität. Gelenkt werden die Arbeiten vom staatlichen französischen Naturkundemuseum und dessen Forschern, die lange über die Grundprinzipien dieses völlig neu errichteten Zoos nachgedacht haben.

Ihnen verdanken wir, dass der Fokus auf die Bedrohungen für seltene Arten und die Kenntnis der zu ihrem Schutz unternommenen Handlungen gelegt wurde. Vorbei sind die spektakulären Attraktionen. Im Vordergrund stehen nun Ethik, Wissenschaft und Pädagogik.

Dennoch reimt sich Pädagogik nicht auf Langeweile. Das Konzept ist sogar sehr spielerisch gestaltet. Erstens, weil alles so konzipiert ist, die Nähe und die Beobachtung der Tiere zu erleichtern: offene Gehege, vorgelagerte Beobachtungspunkte, Unterwassersicht hinter großen verglasten Flächen. Zweitens, weil es zusätzlich zu den Informationsschildern einen der Erforschung gewidmeten Kiosk mit Bildschirmen und interaktiven Tischen gibt.

Ein roter Ibis. Dieser Vogel ist bedroht durch das Verschwinden der Mangroven © Thérèse Hilbold

Die mit der Beaufsichtigung des Parks beauftragten Teams sind auf dem Gelände unterwegs, um Erklärungen zu geben, Schmink-Ateliers und Zeichenwettbewerbe zu organisieren. Sehr beliebt ist übrigens die Wolfsfütterung.

Das Tüpfelchen auf dem i schließlich ist: Jeder kann mittels einer Spende eine Patenschaft für ein Tier übernehmen. Beispielsweise für Adeline, die Giraffe, Nero den Löwen, Tinus den Manati und Tana, den Tomatenfrosch. Als Gegenleistung – und im Verhältnis zur Höhe der Spende – erhält man mehr oder weniger freien Eintritt in den Zoo.

Rund 10.000 Paten und Patinnen schwärmen bereits für ein „Patenkind“ mit Federn, Haaren oder Schuppen…

Praktische Hinweise:

Eingang: Nahe Bois de Vincennes, Ecke Avenue Daumesnil und Route de la ceinture du lac Daumesnil, 75012 Paris

Informationen: Tel: 01 40 79 31 25

Anfahrt: Metro: Linien 8 (Porte Dorée) und 1 (Château de Vincennes)

Tram: T3

Bus: 46, 86, 325

Öffnungszeiten: Mitte Oktober bis Mitte März: von 10 bis 17 Uhr

Mitte März bis Mitte Oktober: von 10 bis 18 Uhr während der Woche, von 9:30 bis 19:30 Uhr an Wochenenden

Eintrittspreise: ab 11 Euro (Ermäßigter Tarif für Kinder von 3 bis 11 Jahren) ab 22 Euro (Volltarif für Erwachsene)

In dem Park gibt es viele Bänke, ein Picknickplatz, eine Erholungszone und zwei Restaurants.
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