Space Invader ǀ © Thérèse Hilbold

Streetart-Spaziergang durch Paris

Publiziert am 17/10/2012 von theresehilbold

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In Paris kann man eine außergewöhnliche Streetart-Szene entdecken: Die französische Hauptstadt hält ihren Rang als eine der weltbesten Städte urbaner Kunst dank ihrer vielen prestigeträchtigen Projekte und Street-Art-Künstler. Ein Dschungel aus sich ständig erneuernden Graffiti, Mosaiken, Plakaten von Banksy, Obey, Invader, Miss Tic, Super Foetus, Jef Aérosol, und vielen weniger bekannten Künstlern, die sich in der Regel hinter einem Pseudonym verstecken.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, um sich in diesem immensen offenen Atelier zurechtzufinden, in dem Asphalt, Zäune und Mauern als Flächen für die vergängliche Kunst dienen.

Man kann beispielsweise immer der Nase nach, Fotoapparat um den Hals, durch bekannte Pariser Graffitispots schlendern, wie Belleville, Ménilmontant, Oberkampf, Marais-Viertel. Eine Alternative besteht darin, Straßen-Kunst-Hochburgen aufzusuchen, wo weltberühmte Street-Art Künstler vorbeigekommen sind, wie der Place de Trocadéro. Hier findet man Banksys weltbekanntes Schablonen-Graffiti “This is Not a Photo Opportunity”, das genau dort angebracht ist, wo unzählige Touristen stehen bleiben, um ein Bild vom gegenüberliegenden Eiffelturm aufzunehmen.

Man kann auch auf eine der von der Website StreetArtParis Map zur Verfügung gestellten interaktiven Karten vertrauen. Oder man hält auf Facebook Ausschau nach Touren, die von Alex organisiert werden, ein Space Invader-Fan, die immer mehr Streetart-Begeisterte anlocken. Oder aber man schreibt sich ein für eine von Künstlern veranstaltete Führung oder einen Workshop (kostenpflichtig).

Ein Besuch von „59 Rue de Rivoli“ ist ebenfalls zu empfehlen: Der ehemalige Künstler-Squat, der heute 30 Ateliers auf sechs Etagen beherbergt, ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Erdgeschoss befindet sich eine Galerie, die alle zwei Wochen eine neue Ausstellung zeigt. Zu ihren festen Künstlern zählt Sebastien Lecca, auch Super-Foetus genannt, der mit einem einfachen weißen, schwarzen oder farbigen Strich Föten auf den Asphalt zeichnet. Oder Gregos, der Selbstporträts aus bemaltem Gips an die Wand klebt, vor allem in Paris, aber auch in anderen Städten. Seine lächelnden oder Grimassen schneidenden Masken kann man kaufen, je nach Inspiration bemalen und sie zurücksenden, falls man möchte, dass sie ausgestellt werden.

Ende September organisierte Alex seine dritte Streetart-Tour. Ausgangspunkt war die Metro-Station Rambuteau. Zwei bis drei Stunden führte er eine kleine Gruppe auf einer Route voller unterschiedlichster Kunstwerke: Mosaike von Space Invader (und sein vieldeutiger Regenbogen im Schwulen-Viertel Marais), Stencils mit Frauenmotiven von Konny Steding, Kunstarbeiten von Fred Le Chevalier, Super Foetus, Gregos oder aber das riesige Wandgemälde Jef Aérosols, an der Place du cloître Saint-Merri, das von der Stadt Paris in Auftrag gegeben wurde.

Diese beeindruckende Ballung an Fresken, Mosaiken, Stencils und Graffiti in einem so kleinen Umkreis ist wahrscheinlich auch mit der Nähe des Centre Georges Pompidou zu erklären, das täglich tausende für Street Art potenziell empfängliche Besucher anlockt.

Beim Schlendern durch das Viertel stellt man fest, dass die urbanen Künstler miteinander wetteifern und jede freie Wandecke, jeden Winkel oder verfallenen Geschäftseingang in Beschlag nehmen. Miteinander zu konkurrieren spielt zwar eine Rolle, aber auch sich weiter zu entwickeln und zu interagieren. So antwortet auf ein Mosaik von Space Invader, ein bisschen weiter unten an der Wand, eine Replik aus – Lego. Die Künstler kommunizieren…

Die Kunstwerke – umsonst und für alle sichtbar – sind sehr empfindlich und haben eine begrenzte Lebensdauer: Sie werden oft entfernt, übertüncht oder von anderen Künstlern übermalt, sodass die Kunstlandschaft einem ständigen Wandel unterliegt.

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