Der kopfsteingepflasterte Fußgängerbereich in der Rue Daguerre ǀ © Paris Kontrast

Rue Daguerre: Am Rande des Rampenlichts

Publiziert am 20/03/2012 von Paris Kontrast

Dieser Artikel ist auch verfügbar in: Französisch

Abgesehen von deutschen Schülern, die die Rue Daguerre durch ihr Französisch-Lehrbuch „Découvertes“ (Klett-Verlag) kennen, ist die Straße im 14. Arrondissement im Süden von Paris nicht sehr bekannt. Das Französischbuch vermittelt durch die Beschreibung einer Familie, die in dieser Straße wohnt,  französisches Leben und französische Sprache.



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Ein kleines Stück französische Provinz

Ein Bewohner von Montmartre hat einmal gesagt, dass ihn das Viertel rund um die Rue Daguerre an Montmartre erinnere, nur flach und ohne Touristen. In der Rue Daguerre herrscht in der Tat, genauso wie auf der berühmten „Butte“, ein ländliches Flair. So stellt man sich französische Provinz vor: Lebendiges Straßenleben, Marktschreier bieten ihre Waren feil, es riecht nach Käse, noch lebendige Krustentiere werden zum Kauf angeboten. Vor allem im kopfsteingepflasterten Fußgängerbereich, nahe der Metrostation Denfert-Rochereau, reihen sich Obst- und Gemüsegeschäfte, Fischhändler, Metzger, Weinhandlungen, Käsefachgeschäfte, Cafés und Restaurants. Hier herrscht ein Gewusel aus hin und her eilenden Passanten, Einkäufern, dich sich dicht an den Ständen drängen, Blumenverkäufern, Café-Besuchern …

Käsestand in der Rue Daguerre ǀ © Pia Hölz

Entspannte und gelassene Atmosphäre

Die Einwohner kennen sich aneinander. Man trifft sich zufällig auf der Straße und plaudert über Gott und die Welt. Die Atmosphäre ist gelassener und entspannter als in den touristischen Gegenden. Ein Einwohner des Quartiers berichtet allerdings, dass sich die Straße sehr verändert hat. Beispielsweise gab es vor 15 Jahren einen kleinen überdachten Markt, etwa so wie der Marché des Enfants-Rouges im 3. Arrondissement, der heute leider verschwunden ist.

Die Rue Daguerre: eine belebte Straße im 14. Arrondissement von Paris ǀ © Paris Kontrast

Einkaufen

In der nach dem berühmten Pionier der Fotokunst benannten Straße gibt es noch keine Kaufhausketten. Dafür aber sehr spezielle Geschäfte, etwa ein Akkordeon-Geschäft, das schon seit 1944 existiert. Oder die Buchhandlung „Alias“, eine wahre Ali-Baba-Höhle, vollgestopft mit Kunstbüchern.

Buchhandlung Alias in der Rue Boulard ǀ © Pia Hölz

Künstlermagnet

Seit jeher haben die Rue Daguerre und die umliegenden Straßen viele Künstler angezogen. Das Künstleratelier des französischen Bildhauers César befand sich in der Rue Roger, einer Querstraße der Rue Daguerre. Der deutsche Maler Hans Hartung hatte in der Rue Daguerre Nr.19 sein erstes Pariser Atelier. Immer noch wohnen hier viele Künstler und Intellektuelle. Die berühmteste Künstlerin ist zweifelsohne die französische Regisseurin Agnès Varda. Zu ihren Filmen zählen unter anderem „Mittwoch zwischen 5 und 7“ (1961), „Vogelfrei“ (1985), „Die Sammler und die Sammlerin“ (2000) sowie „Die Strände von Agnès“ (2008).  Mit ein bisschen Glück begegnet man der 84-Jährigen mit der auffälligen Punker-Frisur (sie hat einen roten Pony) auf der Straße oder man kann sie beim Arbeiten durch die großen Glasfenster  ihres Ateliers in der Rue Daguerre Nr. 83 erspähen.

Restaurants

Traditionell, modern oder lieber exotisch? Feinschmecker haben die Qual der Wahl. Die Rue Daguerre bietet eine große Anzahl unterschiedlicher Restaurants, die, im Vergleich zu anderen Gegenden, teils noch günstige Angebote bereit halten.

Da Enzo

Laut Erzählung eines Einwohners kann man in dem winzigen italienischen Restaurant „Da Enzo“ leckere Nudeln und Pizzen essen.

Chez Papa

Bei „Chez Papa“ gibt es französische Spezialitäten aus dem Südwesten Frankreichs, etwa „Magret de Canard“ (Entenbrust) oder „Cassoulet“ (Bohneneintopf). Ein persönlicher Tipp:  Probieren Sie den „Salade Boyarde“ mit Bratkartoffeln, rohem Schinken, Spiegelei, Käse und Tomaten. Die deftige und reiche Küche ist besonders für die kalte Jahreszeit zu empfehlen.

Französische Spezialitäten aus dem Südwesten Frankreichs gibt es im Restaurant "Chez Papa" ǀ © Pia Hölz

Restaurant de la Réunion

Die Bedienung des Restaurants de la Réunion ist besonders gastfreundlich und sympathisch. Auf der Karte stehen traditionelle kreolische Speisen wie Samosa, kreolische Blutwurst, Dorsch-Rougail, flambierte Bananen.  Dazu trinkt man alkoholreiche Getränke wie Punsch und Rum, die zur späten Stunde für eine ausgelassene Stimmung sorgen.

Restaurant de la Réunion in der Rue Daguerre ǀ © Pia Hölz

Zango

Das Zango versteht sich als „Reise-Restaurant“: Man kann in Reiseführern aus aller Herren Länder blättern und es werden Foto-Ausstellungen und Konzerte organisiert. Auf der Karte steht eine große Auswahl an Mezes und „Assiettes des explorateurs“, mit Namen wie  „Marco Polo“ oder „Perousse“.

Ausgehen

Im „au24Bis“ kann man jungen französischen Musiktalenten in einem sehr intimen Rahmen lauschen.

Umgebung

Lion de Belfort

Das rege Treiben der Rue Daguerre wird von dem mitten auf der Place Denfert-Rochereau thronenden Lion de Belfort überwacht. Es handelt sich um eine von dem französischen Bildhauer  Frédéric-Auguste Bartholdi (1834-1905) entworfene Replik. Sein Atelier befand sich im 14. Arrondissement. Er schuf das Original in Erinnerung an den Oberst Denfert-Rochereau, der Belfort gegen Preußen während des Krieges 1870/71 verteidigte.

Der Lion de Belfort thront mitten auf der Place Denfert-Rochereau ǀ © Pia Hölz

Die Katakomben

Die Rue Daguerre ist noch nicht sehr touristisch. Doch infolge der mittlerweile täglich geöffneten Katakomben kommen immer mehr Besucher.  Die Katakomben sind, neben dem Cimetière Montparnasse, die Hauptsehenswürdigkeit in der Gegend. Zwischen Ende des 18. und Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Überreste von rund 6 Millionen Parisern in die ehemaligen unterirdischen Steinbrüche von Paris überführt.

Cimetière Montparnasse

Der Cimetière Montparnasse ist die Grabstätte vieler berühmter Persönlichkeiten wie Jean -Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Samuel Beckett und Serge Gainsbourg. Suchen Sie nach einer Bank inmitten des großen Gräber-Labyrinths und genießen Sie hier bei schönem Wetter die Ruhe abseits der umliegenden lärmenden Großstadt-Hektik. Eine wahre Insel des Friedens. Tipp: Die Bank steht direkt neben dem Grab Jacques Demys, des verstorbenen Ehemannes Agnès Vardas.  Es wird erzählt, Agnès Varda habe die Bank aufstellen lassen.

Cimetière Montparnasse ǀ © Paris Kontrast

Eine wahre Insel des Friedens inmitten der Cimetière Montparnasse ǀ © Pia Hölz

Auf den Spuren Simone de Beauvoirs

In der Rue Viktor Schoelcher Nr.11 bis lebte die französische Schriftstellerin Simone de Beauvoir von 1955 bis 1986.

Ab Herbst 1937 bis September 1939 mietete Simone de Beauvoir für sich und Sartre ein Zimmer im Hôtel Mistral in der Rue Cels Nr.24.

Praktische Informationen

Metro: Denfert-Rochereau (4, 6 und RER B)
Adressen

Paris Akkordéon
80, Rue Daguerre
75014 Paris
Website

Buchhandlung Alias
21, Rue Boulard
75014 Paris

Da Enzo
72, Rue Daguerre
75014 Paris
Tel.: 00 33 (0)1 43 21 66 66
Website

Chez Papa
6, Rue Gassendi
75014 Paris
Tel.: 0033 (0)1 43 22 41 19
Website

Restaurant de la Réunion
96, Rue Daguerre
75014 Paris
Tel.: 0033 (0)1 42 18 48 70
Website

Zango
58, Rue Daguerre
75014 Paris
Tel.: 00 33 (0)1 43 20 21 59
Website

„au24Bis“
24 bis Rue Gassendi
75014 Paris
Website
Umgebung

Katakomben
1, Avenue du Colonel Henri Roi-Tanguy
Metro und RER B: Denfert-Rochereau
Website

Cimetière Montparnasse
3, Boulevard Edgar Quinet
75014 Paris
Tel.: 0033 (0)1 44 10 86 50
Öffnungszeiten: 16. März bis 5.November: 8h-18h
6. November bis 15. März: 8h-17:30h
Samstags ab 8:30h, sonntags und an Feiertagen ab 9h geöffnet
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