Galerie de la Villette ǀ © Paris Kontrast

Parc de la Villette: Mix aus Freizeitpark und kulturellen Institutionen

Publiziert am 23/10/2011 von piahoelz

Dieser Artikel ist auch verfügbar in: Französisch

Der Parc de la Villette im 19. Arrondissement im Nordosten von Paris ist ein Mix aus Freizeitpark und kulturellen Institutionen. Er befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Pariser Schlachthof-Viertels, das heute ein beliebter Treffpunkt bei den Parisern ist.

Ob sonntägliches Fußballspielen oder 9 Stunden dauernde Ring-Saga von Richard Wagner: Hier kommen Menschen mit unterschiedlichsten sozialen Hintergründen zusammen.

La grande Halle und la place de la fontaine aux Lions de Nubie

Wir steigen bei der Metrostation Porte de Pantin (Linie 5) aus und beginnen unseren Spaziergang an der place de la fontaine aux Lions de Nubie. Hier sollte man kurz inne halten und den Blick über den weitläufigen Platz und seine ihn umgebenden Gebäude schweifen lassen: Die filigrane Grande Halle von 1867, einziges Überbleibsel des ehemaligen Schlachthof-Viertels, kontrastiert mit der modernen Architektur der cité de la musique.

La Grande Halle

Cité de la musique

Die 1995/96 eingeweihte cité de la musique wurde von dem französischen Architekten Christian de Portzamparc (in Deutschland bekannt durch seine Konzeption der französischen Botschaft in Berlin) entworfen.  Sie besteht aus zwei Flügeln: Im Osten beherbergt sie einen großen Konzertsaal mit rund 1.000 Plätzen, eine Mediathek, ein Museum, ein Amphitheater und Räumlichkeiten für Ateliers. Im Westen ist seit 1990 das Conservatoire de musique et de danse de Paris (CNSMDP) untergebracht. Das Programm ist bemerkenswert innovativ und vielfältig: Neben Konzerten aus verschiedensten Musikbereichen (Klassik, Flamenco, Jazz, Minimal Music, Rock, Pop etc.)  werden beispielsweise Festivals, Ausstellungen, Diskussionen, Treffen, Performance-Lesungen sowie Kinokonzerte organisiert. Ein Jahr lang steht das Programm unter einem bestimmten Thema. 2011/12 lautet es “Corps et âme” (auf Deutsch etwa: “mit Leib und Seele”).  Im Konservatorium sind bestimmte Veranstaltungen wie Abschlussprüfungen öffentlich und kostenlos zu nutzen. Hinter der Cité de la musique wird derzeit die von dem französischen Achitekten Jean Nouvel entworfene neue Philharmonie gebaut. Die Einweihung,  die ursprünglich für 2012 vorgesehen war, ist nun auf 2014 verschoben. Kritiker stellen sich die Frage, ob das im armen Nordosten situierte Haus genügend Publikum, das gewöhnlicherweise im reicheren Südwesten von Paris wohnt, anlocken kann, um den mit 2400 Plätzen großen Konzertsaal zu füllen.

Cité de la musique

Links vorbei an der grande Halle entlang der Galerie de la Villette befindet sich linker Hand der Pavillon Paul Delouvrier, wo es interessante und kostenlose Ausstellungen zeitgenössischer Kunst zu sehen gibt. Geradeaus weiter gelangt man zum canal de l’Ourcq.  Von der Brücke aus Richtung Osten blickt man auf das Cabaret Sauvage und das Péniche Cinéma. Das Kabarett bietet ein vielfältiges Programm aus Theater, Musik und Tanz.  Das Kinoschiff ist eine Plattform für junge Regisseure, lebendiger Treffpunkt für Filmemacher und Publikum mit einem anspruchsvollen und ambitionierten Programm. Es bietet Workshops rund um das Filmemachen für Kinder und Erwachsene an.

Cité des sciences et de l’industrie

Auf der gegenüberliegenden Kanalseite am Nordrand des Parks erstreckt sich die 1985 gegründete Cité des sciences et de l’industrie. Vor ihr steht  das riesige Kino Géode mit einer kugelförmigen, 1.000 m² großen Leinwand. Das Zentrum der Wissenschaft und der Industrie bietet beispielsweise didaktisch spielerische Dauer- und Wechselausstellungen und  eine frei zugängliche Multimedia-Bibliothek (BSI), die alle wissenschaftlichen und technischen Fachgebiete abdeckt.

Cité des sciences et de l'industrie

Die folies rouges

Über das gesamte Gelände in Abständen von 120 m sind 26 von dem französischen Architekten Bernard Tschumi, der übrigens die gesamte Park-Konzeption verantwortet,  entworfene  folies rouges, eine zeitgenössische Version der Glorriette aus dem 18. Jahrhundert, verstreut. Sie beherbergen  beispielsweise  den Kartenvorverkauf, die Information und den Konzertsaal Trabendo.

Nachdem das Pariser Schlachthof-Viertel 1976 zerstört und in einen Pariser Außenbezirk umgesiedelt wurde, entstand ein paar Jahre später das etablissement public de la Villette. Die öffentliche Einrichtung hatte die Aufgaben einen ausschließlich der Musik gewidmeten Architekturkomplex zu bauen, ein Nationalmuseum der Wissenschaft und der Industrie zu konstruieren und einen urbanen Kulturpark zu schaffen. Der Bau dieses ambitionierten Projekts dauerte von 1980 bis 2000.

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