Albert Kahn: Der japanische Garten © Thérèse Hilbold

Museum und Garten Albert Kahn: Ein Refugium für den Weltfrieden

Publiziert am 08/06/2014 von theresehilbold

Dieser Artikel ist auch verfügbar in: Französisch

Albert Kahn war ein humanistischer Bankier des 20. Jahrhunderts, der von einem Ideal universellen Friedens getrieben wurde.  Er war sehr  wohlhabend, bevor er, ruiniert durch die Krise von 1929, starb. Dieser Mann, der zugleich Menschenfreund, Pazifist, Hygieniker, Wissenschaftler, Musikfreund und Botanik-Narr war, hat 30 Jahre lang sein Vermögen und seine Energie großen und humanitären Projekten gewidmet: einem Garten mit Märchenszenen, einer in der Welt einzigartigen Dokumentarfilm- und Fotosammlung, einem Biologielabor, um gegen Syphilis und Tuberkulose zu kämpfen, um nur einige zu nennen…

Ein „Weltgarten“

Noch heute bereitet es Freude, durch den Garten zu spazieren, den er in Boulogne-Billancourt gestaltet hat, im Wandel der Jahreszeiten, mit Land- und Waldlandschaften.

Zuerst tritt man ein in das japanische Dorf mit einem Teepavillon und zwei traditionellen Häusern aus Papier. Dort kann man ein Meer von Moos, Felseninseln und einen Azaleenteppich bewundern. Alles ist bereit für eine Teezeremonie, zu der Sie zwei bis drei Mal im Monat eingeladen sind…

Nur einige Schritte entfernt bietet der englische Garten Blumenwiesen, riesige Bäume, einen Wasserfall, in einem scheinbar natürlichen Landschaftsstil, der aber sorgfältig ausgearbeitet ist. Nehmen Sie sich vor allem Zeit, sich über den Wasserspiegel zu beugen, um die Goldfisch-Scharen zu bewundern und dem plätschernden Wasser zu lauschen.

Blick auf blühende Kirschbäume im Frühling © Thérèse Hilbold

Neben dem großen Gewächshaus befindet sich ein französischer Garten im regelmäßigen Stil, mit Rosenlauben und geometrischen Parterres.

Hinter dem Gewächshaus steht der Besucher plötzlich in einem richtigen Vogeser Wald, mit einem elsässischen und lothringischen Gebirgsteil. Große Sandsteinblöcke, riesige Tannen und Farn: Es ist fast so, als sei man dort. Der Jagdinstinkt der Pilzjäger erwacht und man hält die Augen offen nach Steinpilzen und Pfifferlingen!

Für die Gestaltung dieses Gartenbereichs, der ihm besonders am Herzen lag – Albert Kahn stammte aus Marmoutier am Fuß der Vogesen – schickte der Bankier seinen Landschaftsarchitekten und Chefgärtner ins Elsass, mit dem Auftrag, Sandstein und Pflanzen sorgfältig auszuwählen, die benutzt werden sollten, um das Landschaftsbild zu rekonstruieren. Spezialwägen wurden gemietet, um die großen Bäume und riesigen Granitblöcke zu befördern.

Etwas weiter warten der blaue Wald mit seinen Atlass-Zedern und Colorado-Fichten und der goldene Wald mit seinen Trauerbirken.

Diese verschiedenen Wälder – 1999 von Sturm völlig verwüstet – wurden mit hohen Kosten neu aufgebaut, so dass die Schäden heute nicht mehr sichtbar sind.

Der „blaue Wald“ mit seinen Atlass-Zedern und Fichten © Thérèse Hilbold

Der Besuch endet – oder beginnt – mit dem neuen japanischen Garten, der 1989 von dem japanischen Landschaftsarchitekten Fumiaki Takano gestaltet und von einem japanischen Mäzen teilfinanziert wurde. Dieser Garten, in dem Wasser eine wichtige Rolle spielt, ist eine Metapher für das Leben von Albert Kahn und eine Hommage an den Bankier. Man kann dort das Yang (Achse des Lebens), das Ying (Achse des Todes) und die weibliche/männliche Achse erkennen. Oder aber man setzt sich auf die Steine im Wasser und beobachtet die riesigen vielfarbigen Fische.

Die Lebensachse (Yang) im zeitgenössischen japanischen Garten (Trichter aus Kieselstein, Wasserstrahl). 1988-90 erbaut, ersetzt er den ehemaligen, fast völlig verschwundenen japanischen Garten © Thérèse Hilbold

Wer mehr über die botanischen Geheimnisse dieses Gartens erfahren möchte, kann an einer von Landschaftsarchitekten organisierten Führung teilnehmen. Meiden Sie Zeiten großen Andrangs, besonders Sonn- und Feiertage von April bis September.

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Albert Kahn hat der Nachwelt eine beträchtliche Anzahl an Bildern und Filmen hinterlassen: 4.000 stereoskopische Bilder (Schwarz-Weiß-Fotos), 72.000 Autochrome-Platten (erste Methode, um Farbbilder zu entwickeln) und 180.000 Meter Schwarz-Weiß-Stummfilm (100 Filmstunden).

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