Michele: Eine Amerikanerin in Paris ǀ © Paris Kontrast

Michele: Eine Amerikanerin in Paris

Publiziert am 14/03/2012 von piahoelz

Michele wurde 1984 in den USA, Newport News, Virginia, geboren. Bevor sie im Oktober 2008 nach Paris kam, um Französisch zu lernen und um zu studieren, arbeitete sie zwei Jahre lang in einem Verlagshaus in Berlin. Gerade ist sie dabei, einen Masterstudiengang in frankophoner Literatur und in Gender Studies an der Sorbonne Nouvelle abzuschließen. Danach möchte sie ihren Doktor in Gender Studies machen. Neben ihrem Studium arbeitet sie als Übersetzerin und gibt Englischunterricht.

Wie würdest Du deine erste Zeit in Paris beschreiben?

Die erste Zeit in Paris war nicht immer einfach. Vor allem die französische Sprache war eine große Herausforderung. Ich beherrschte Französisch am Anfang noch nicht so gut wie jetzt. Um soziale Kontakte zu knüpfen, muss man aber imstande sein, zumindest eine einfache Konversation zu führen. Wenn man das noch nicht kann, ist es schwierig, Franzosen kennenzulernen. Diese haben weder Geduld noch Zeit, bis Du endlich die richtigen Worte findest, um das ausdrücken, was Du sagen möchtest. Außerdem haben die meisten Franzosen bereits ihr soziales Umfeld. Aus diesem Grund haben sie es nicht nötig, neue Freundschaften zu knüpfen. Dagegen ist es viel leichter, Bekanntschaft mit anderen Ausländern zu machen, da sie ebenfalls auf der Suche nach neuen Freunden sind.

Auf welche Schwierigkeiten bist Du noch gestoßen?

Das Leben in Paris ist sehr teuer. Wenn man kein Geld hat, kann man auch nicht oft ausgehen, um neue Leute kennenzulernen.

Konntest Du Unterschiede zwischen der amerikanischen und der französischen Kultur feststellen?

Im Vergleich zu den sehr gastfreundlichen und offenen Amerikanern sind die Franzosen eher zurückhaltend und distanziert. Es mag schon sein, dass die Amerikaner etwas oberflächlich sind, aber sie gehen viel leichter auf Ausländer zu als die Franzosen.
Des Weiteren finde ich die Franzosen sehr politisiert. In Frankreich herrscht eine ausgeprägte politische Kultur. Ich habe den Eindruck, dass die Leute viel aufmerksamer die politischen Ereignisse verfolgen und viel mehr darüber sprechen, als das in den USA der Fall ist.
Außerdem konnte ich einige Unterschiede feststellen, was das Essen angeht. In meiner Familie isst man beispielsweise bereits um 17 Uhr zu Abend. Die Franzosen essen dagegen erst so gegen 21 Uhr. In Amerika gibt es eine große Diät-Kultur. Viele Produkte sind 50 Prozent fettreduziert. Dafür essen die Amerikaner umso mehr. Das französische Essen ist authentischer. Die Franzosen essen viel Butter und viel Käse. Als Vegetarierin habe ich allerdings ein Problem mit den vielen traditionellen französischen Fleischgerichten: Ochsenschwanz, Rinderzunge, rohes Rinderhack. In den USA ist man beispielsweise kein rohes Fleisch. Dafür habe ich in Frankreich meine Leidenschaft für Käse entdeckt! In Amerika habe ich kaum Käse gegessen. Es gibt dort ein spezielles Gesetz für die Käseproduktion. Durch den streng geregelten Herstellungsprozess verliert der Käse seinen Geschmack.

Was gefällt dir an Paris?

Die Stadt ist wunderschön. Die vielen alten Gebäude deuten auf eine reiche Geschichte hin. Mir gefällt die Tatsache, dass so viele kulturelle Veranstaltungen organisiert werden, etwa Ausstellungen, Konzerte und Festivals.

Was gefällt dir nicht?

Mich stören die hohen Lebenshaltungskosten und das distanzierte und kalte Verhalten der Pariser.

Was fällt dir spontan zu Paris ein?

Mit Paris verbinde ich Spazierengehen, ins Kino gehen oder eine Ausstellung besuchen.

Ein Lieblingsspaziergang?

Besonders gern flaniere ich am Kanal St.Martin im 10. Arrondissement entlang. Ich mag die Nähe zum Wasser. Außerdem ist das ein sehr interessanter Ort mit vielen jungen, hippen Leuten. An jedem Donnerstag und Sonntag findet von 7h bis 14:30h ein multikultureller Lebensmittelmarkt auf der Place de Jonville (19.Bezirk) statt. Dort kann man billig Fisch und Gemüse kaufen. Es herrscht hier eine lebendige und animierte Stimmung wie in Berlin-Kreuzberg.
Außerdem mag ich den Bois de Boulogne. Der grüne Stadtpark bietet eine willkommene Alternative zur grauen Stadt. Er erinnert mich an den Tiergarten in Berlin.

Ein Lieblingsrestaurant?

Ich mag die asiatischen Restaurants in dem multikulturellen Stadtviertel Belleville im Norden von Paris. Wenn ich in der Gegend bin, probiere ich jedes Mal ein Neues aus, es gibt einfach so viele …

Ein Ausgehtipp?

Abends treffe ich mich oft mit Freunden in einer der vielen Bars rund um die Metrostationen Oberkampf und Chemin Vert im 11. Arrondissement. Die etwas günstigeren Preise ziehen viele junge Leute an. Außerdem werden manchmal Konzerte veranstaltet.

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