Zubereitung von indischen Spezialitäten ǀ © Paris Kontrast

Little India in Paris

Publiziert am 23/11/2011 von piahoelz

Dieser Artikel ist auch verfügbar in: Französisch

Rund um die Metro-Station La Chapelle und nur ein paar Schritte weit entfernt von der Porte Saint-Denis kann man in den farbenfrohen indischen Mikrokosmos in Paris eintauchen.



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Tamilen rund um La Chapelle

Unscheinbar stapeln sich die Schuhe vor der Tür. Seltsame Klänge dringen von innen nach außen. Wie wir später erfahren, handelt es sich um die heilige Sprache Sanskrit. Wir stehen vor dem Ganesha-Tempel im Viertel La Chapelle im Norden der Stadt, Hauptsitz der indischen Gemeinde von Paris. Das Heiligtum wurde 1985 von Hindugläubigen aus Sri Lanka gegründet. Pro Tag finden hier drei Zeremonien statt, an denen 50 bis 100 Besucher teilnehmen. Am Wochenende sogar 400 bis 500.

Vor einem großen, golden leuchtenden Schrein in der Mitte des Tempels, der dem hinduistischen Elefantengott Ganesha gewidmet ist, versammeln sich die Gläubigen zum Gebet.

Ein Priester im traditionellen Gewand schreitet von Schrein zu Schrein, indem er ununterbrochen Sanskrit vor sich hin spricht, begleitet von monotonen, meditativen Klängen. Während er Reiskörner und Blütenblätter auf die verschiedenen Gottesabbildungen wirft, treten Betende zu ihm.

Einmal im Jahr ist der Tempel Versammlungsort des Ganesha-Festes. Ende August startet hier eine Prozession zu Ehren des Elefantengottes, dessen Statue durch die Straßen des 18. Arrondissements von Paris getragen wird.

Wir befinden uns im Herzen des Tamilen-Viertels.  Die Tamilen stammen ursprünglich aus dem Norden und Osten Sri-Lankas. Nachdem sie Anfang der 80er Jahre die Unabhängigkeit ihrer Region forderten, trieben sie Bürgerkrieg und Unterdrückung seitens der singhalesischen Regierung zur Flucht nach Frankreich.

Das Zentrum des Quartiers bilden die Rue du Faubourg Saint-Denis, die Rue Cail und die Rue Perdonnet. Vor allem am Wochenende ist viel los. Dann kommen die in der Vorstadt lebenden Inder, um hier ihre Einkäufe zu erledigen.

Samstagmorgen, Rue de Cail, Supermarkt VT Cash & Carry:  Bevor die Massen das Geschäft stürmen, spritzt ein Verkäufer gelbes Safranwasser auf den Boden, zur rituellen Säuberung des Ortes. Nan-Brot, Gewürze, diverse Gemüsesorten, Chutneys, Tees sowie Schönheitsprodukte und Räucherstäbchen stapeln sich in den Regalen.
Nur ein paar Schritte weiter begutachten Frauen in einer Sari-Boutique bunt schillernde Stoffe und goldglänzenden Schmuck. Etwas später drängen sich die Kunden in den Metzgereien und Fischgeschäften in der Rue du Faubourg Saint-Denis. Sie feilschen um die frisch gelieferte Ware, riesengroße Fische im Wert von 35 €.

Im Blumenladen Hibiscus Fleurs in der Rue Perdonnet erklärt der freundliche Verkäufer besonders bereitwillig die Kunst der indischen Blumenbinderei.
Mittags kann man in einem der vielen und vollen Restaurants nicht nur die vielen indischen Leckereien probieren, sondern auch bei deren Zubereitung zuschauen.

Indischer Jasmin ǀ © Paris KontrastSaris ǀ © Paris Kontrast

Läuft man die Rue du Faubourg Saint-Denis hinunter, vorbei an der Gare de Nord und der Gare de l’Est, erreicht man den anderen Teil des indischen Viertels, rund um die Passage Brady et Passage du Prado. Hier haben sich hauptsächlich muslimische Pakistaner niedergelassen.

Passage Brady

Seit in der Passage Brady Anfang der 70er Jahre ein Inder aus Pondichéry ein indisches Lebensmittelgeschäft eröffnete, befindet sich hier die größte Konzentration an pakistanischen und indischen Restaurants. In der engen, 200 Meter langen überdachten Gasse warten schon Lockvögel darauf, potentielle Gäste mit Versprechungen wie Gratis-Tee auf die Stühle zu drücken. Ganz toll einkaufen kann man in dem indischen Supermarkt Velan. Dieser bietet neben Lebensmitteln allerhand bunten und teils kitschigen Krimskrams zu günstigen Preisen an. Die Passage Brady wird weitaus häufiger besucht von den Parisern und Touristen als die in unmittelbarer Nachbarschaft liegende Passage du Prado.

Passage du Prado

Diese L-förmige Passage verbindet die Rue du Faubourg Saint-Denis mit dem Boulevard St-Denis. Das Glasdach im Jugendstil mit schweren Gusseisenträgern aus dem Jahr 1925 verläuft rechtwinklig und verbindet die zwei Gänge durch eine Glaskuppel. Die Passage beherbergt einige indische Herrenfriseure und afrikanische Friseurshops sowie ein paar Restaurants. Beim Durchlaufen durch den dunklen und leeren Gang fühlt man sich ein bisschen wie ein Eindringling.

Beide Passagen sind ziemlich heruntergekommen: Der Boden ist stark beschädigt und das Glasdach baufällig. Aber das trägt zweifelsohne auch zum Charme dieses populären und quirligen Viertels bei.

ADRESSEN:

Ganesha-Tempel: 17, Rue de Pajol
Supermarkt VT Cash & Carry
: 11, Rue de Cail
Hibiscus Fleurs
: 2, Rue Perdonnet
Passage du Prado
: 18-20 bd de Bonne Nouvelle oder 12, Rue du Fg Saint-Denis
Passage Brady: 46, Rue du Fg Saint-Denis
Indischer Lebensmittelladen Velan: 83-87, Rue du Fg Saint-Denis

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