Party "Girls I adore" von BlackÖzlem März 2012 im Zorba (Foto: Tania Skakun)

Le Zorba, Belleville

Publiziert am 19/04/2012 von Paris Kontrast

Anhänger von Sirtaki und Fans von Anthony Quinn sollten auf der Hut sein: « Le Zorba » im Viertel Belleville ist kein geeigneter Ort, um Ouzo zu schlürfen und von Felslandschaften und der Sonne am Mittelmeer zu träumen. Bei seiner Version Bellevilloise in der Rue du Faubourg du Temple Nr. 137, im 10. Arrondissement von Paris,  handelt es sich vielmehr um eine Höhle des städtischen Nachtlebens, wo die Sonne niemals eindringt.  Nur selten lässt sie sich am Rande der schmalen Terrasse blicken, die sich auf dem Gehsteig  einer der kosmopolitischsten Straßen Paris erstreckt.  Weit entfernt von den Buchten der Insel Kreta.

Ehemals Sport-Bar, in die Chinesen, Nordafrikaner und Pariser aus dem Arbeitermilieu kamen, um auf Pferderennen zu wetten, ist « Le Zorba » in den vergangenen Jahren zu einem angesagten Underground-Jugendtreffpunkt geworden. Die Bar verwandelt sich fast jede Nacht, oben im Hauptraum und unten im Keller,  in einen Dancefloor, wo Rock-und Hip-Hop-Gruppen sowie Djs der tobenden Menge, mehr oder weniger improvisierend, ihre Dezibel ins Gesicht schleudern.

Verstärkt durch die Alkoholdämpfe und Trance-Musik kann es schon mal vorkommen, dass man sich an manchen Wochenenden – insbesondere während der von der Gruppe BlackÖzlem organisierten Partys – zurückversetzt fühlt  in die alternative Blütezeit des  Berlins der 70er Jahre und einzutauchen glaubt in das London des New Wave und das Paris des Punks der 80er Jahre.  Auch in das New-York-Fieber, wie an diesem Abend, als plötzlich der geisterhafte Doppelgänger Basquiats auftaucht.

« Le Zorba » enthüllt ein zwar desorientiertes, aber ungeheuer lebendiges Paris, wo sich Punks, Raver, Musiker und mittellose Studenten mischen. Man weiß nie wie spät es ist, weder beim Betreten und noch weniger beim Verlassen der Bar. Vielleicht 2 Uhr, offizielle Feierabendzeit? Oder 5 Uhr, offizielle Wiedereröffnung für die After?

Eingekeilt zwischen billigen Geschäften und chinesischen Restaurants, Nachbar von fliegenden Händlern und asiatischen Prostituierten, hat « Le Zorba » im Grunde nichts von seinen Ursprüngen und seiner populären Vitalität verloren. Unter der Leitung Sergios und Simons, zweier junger Kellner, die nicht zögern, ihre kaufmännischen Verpflichtungen für ein paar Minuten zu vernachlässigen, um sich, Mikro in der Hand,  Beatbox-Live-Demonstrationen hinzugeben. « Le Zorba » verströmt unbändige Lebenslust. Genau das macht es zu einem der freiesten und bemerkenswertesten Orte in Paris.

Le Zorba Belleville
137 Rue Fbg du Temple  

75010 Paris

Florent Papin

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