Rotonde von Monceau ǀ © Paris Kontrast

Die Mauer der Generalsteuerpächter

Publiziert am 25/04/2012 von Paris Kontrast

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Die Mauer der Generalsteuerpächter (Mur des Fermiers Généraux) wurde zwischen 1784 (rund fünf Jahre vor der Revolution) und 1790 errichtet. Während die vorherigen Mauern von Paris (zum Beispiel die mittelalterlichen Mauern Philippes II. August und Karls V.) und die später errichtete « Mur de Thiers » der Verteidigung der Stadt dienten, erfüllte die Mauer der Generalsteuerpächter einen Steuerzweck: Die Generalsteuerpächter schlugen dem König Ludwig XVI. vor, eine Mauer zu errichten, um Steuern auf die in Paris einführenden Waren erheben zu können. Das Projekt wurde vom König akzeptiert. Claude-Nicolas Ledoux, vielleicht der größte französische Architekt des 18. Jahrhunderts und auch Kunstphilosoph, wurde für die Verwirklichung des Projekts ausgewählt. Doch wurde er seines Amtes noch vor Beendigung der Bauarbeiten enthoben.

Die Mauer war 24 Kilometer lang und umgab das damalige Paris und einige Gemeinden in der Umgebung, also ungefähr die elf ersten heutigen Arrondissements der Stadt. Es gab 55 Zugänge (« Barrières »), von denen 43 mit einem Monument ausgestattet waren. Ledoux nannte diese Monumente Propyläen, eine Anspielung auf die griechische antike Architektur (die Propyläen, beispielsweise die Propyläen von Athens Akropolis, waren gewaltige Eingänge zu einer heiligen Stätte). Tatsächlich ließ sich Ledoux von der Architektur der Antike inspirieren, veränderte aber deren Regeln. Der Einfluss von Palladio (Klassizismus) und Piranesi (Kreative Freiheit) ist auch spürbar.

Ihrer Bestimmung wegen war die Mauer sehr unpopulär, weshalb sie während der Revolution zum Teil beschädigt wurde. Einem anonymen Alexandriner zufolge : « Le mur murant Paris, rend Paris murmurant » (die Mauer, die Paris vermauert, lässt das Pariser Volk murmeln).

Als die Stadtgrenzen 1860 bis zu den heutigen Grenzen erweitert wurden, wurde die Mauer zerstört. Bis heute blieben nur vier der Propyläen erhalten:

  • die Rotonde von Monceau (Métrostation Monceau), die später leider nicht originalgetreu erneuert wurde
  • die Rotonde von La Villette oder « Barrière Saint-Martin » (Métrostation Stalingrad), die seit kurzem einen Veranstaltungsort und ein Restaurant beherbergt
  • die «Barrière du Trône »  (Métrostation Nation)
  • die « Barrière » d’Enfer (Métrostation Denfert-Rochereau), die sich ganz in der Nähe des  Eingangs der Katakomben befindet

Beitrag von Paul Hayat.

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