Kurdisches Restaurant Urfa Dürüm ǀ © Paris Kontrast

Die Rue du Faubourg Saint-Denis

Publiziert am 06/03/2012 von piahoelz

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Nachdem Paris Kontrast über das Tamilen-Viertel im Norden der Rue du Faubourg Saint-Denis berichtete (siehe Artikel “Little India”), haben wir uns heute im  südlichen Teil der kosmopolitischen Straße nahe der Porte Saint-Denis umgeschaut,  wo Türken, Inder, muslimische Pakistaner, Afrikaner und Bobos (Bourgeois-Bohemiens) zusammenleben.

Ort der Immigration par excellence
Die Rue du Faubourg Saint-Denis ist seit jeher ein Ort der Immigration. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließen sich hier die ersten askenasischen jüdischen Flüchtlinge aus Osteuropa nieder. In den 1970er Jahren kamen dann unter anderem türkische, indische und pakistanische Einwanderer. Während die aus Sri-Lanka stammenden Tamilen im Norden der Rue du Faubourg Saint Denis rund um die Metrostation La Chapelle leben, haben Türken und muslimische Pakistaner ihr Domizil im Süden rund um die Passage Brady und die Passage du Prado. Außerdem spürt man hier die Präsenz der afrikanischen Community mit ihren zahlreichen Kosmetik- und Friseurgeschäften auf dem naheliegenden Boulevard de Strasbourg.

Eine der kosmopolitischsten und populärsten Straßen von Paris
Die Rue du Faubourg Saint-Denis ist eine der populärsten Straßen von Paris und quillt nur so über von indischen und pakistanischen Barbiers, afrikanischen Friseurshops, türkischen Restaurants, bunt plakatierten CD-und Videoläden, Cafés, aus denen Musik aus aller Welt und unterschiedlichste exotische Gerüche dringen. Bei solch einem kunderbunten Treiben verwundert es nicht, dass sich im Viertel einer der berühmtesten Jazzclubs von Paris befindet: “Le New Morning”. Zu den legendärsten Musikern, die hier auftraten, zählen Nina Simone, Stan Getz, Chet Baker und Archie Chep.

Straßenszene Rue du Faubourg Saint-Denis ǀ © Paris KontrastMetzgerei in der Rue du Faubourg Saint-Denis ǀ © Paris Kontrast

Türkische Gemeinschaft
Die indischen und pakistanischen Einwanderer teilen sich die belebte Straße mit einer großen türkischen Gemeinschaft. In den vielen türkischen Restaurants kann man mit Türken und Leuten aus der Nachbarschaft  in authentischem Ambiente gute und günstige türkische Pizza essen, beispielsweise im Pizza Grill Istanbul. Die leckeren kurdischen Sandwichs im Urfa Dürüm werden an traditionellen Holztischchen gereicht. Dazu empfiehlt sich ein Glas des Joghurt-Erfrischungsgetränks Ayran.

Boboland
Seit ein paar Jahren hat die sogenannte „Boborisation“ des Quartiers eingesetzt. Das populäre Viertel verwandelt sich in ein „In-Viertel“. Bei schönem Wetter tummeln sich massenweise trendige Mittdreißiger auf der Terrasse des altmodischen 50er-Jahre-Cafés Chez Jeannette. Teure Feinkostgeschäfte wie beispielsweise Julhès & Ronalba, Maison de Gastronomie oder Terra Corsa sprießen wie Pilze aus dem Boden.

Passagenviertel
Von der Rue du Faubourg Saint-Denis aus hat man Zugang zu zahlreichen Passagen. Neben den bereits erwähnten Passagen Brady und du Prado (siehe Artikel “Little India”) kann man die Passage de l’industrie, in der Großhändler für Friseurbedarf ihren Sitz haben, entdecken. Oder die Passage Reilhac, in der auf den neugierigen Spaziergänger eine Überraschung wartet: Eine Frauen-Statue, die eine Vase über dem Kopf trägt und eine Fontäne mit dem Bildnis eines Jungens, der einen Wasserkrug hält, kontrastieren mit der sonst unscheinbaren Umgebung. Die Passage des Petites-Écuries (auf Deutsch etwa Passage der kleinen Pferdeställe) verdankt ihren Namen der Tatsache, dass im 18. Jahrhundert im nahen Cour des Petites-Écuries die königlichen Ställe untergebracht waren. Nette kleine Cafés laden dazu ein, sich vom Tohuwabohu der Rue du Faubourg Saint-Denis zu erholen.

Brasserie Flo und Brasserie Julien
In der Passage des Petites-Écuries wurde das erste Restaurant der bekannten Brasserie-Gruppe FLO eröffnet. Auf der Karte stehen traditionelle französische Gerichte mit modernen Einsprengseln: Thunfischsteak mit Sichuan-Pfeffer oder Kabeljausteak mit Basilikumkruste. Zurück in der Rue du Faubourg Saint-Denis liegt schräg gegenüber die legendäre Brasserie Chez Julien, die mit ihrem Jugendstil-Dekor als historisches Monument eingestuft ist. Die Schauspielerin Sarah Bernhardt zählte angeblich zu den illustren Gästen.

Brasserie Julien ǀ © Paris KontrastBrasserie Flo ǀ © Paris KontrastZum Schluss lohnt sich ein Blick auf die Porte Saint-Denis. Der riesige Triumphbogen an der Kreuzung der Straßen Rue Saint-Denis und Rue du Faubourg Saint-Denis erinnert daran, dass die Rue du Faubourg Saint-Denis früher eine Prachtstraße war, über die die Könige nach Paris kamen.

Porte Saint-Denis ǀ © Paris Kontrast

Adressen:

Urfa Dürüm: 56, rue du Fg Saint-Denis
Pizza Grill Istanbul: 66, rue du Fg Saint-Denis
Brasserie Julien: 16, rue du Fg Saint-Denis
Julhès & Ronalba: 58/60, rue du Fg Saint-Denis
Chez Jeannette: 47, rue du Fg Saint-Denis
Terra Corsa: 61 bis, rue du Fg Saint-Denis
Passage de l'industrie: 42, rue du Fg Saint-Denis
Passage Reilhac: 54, rue du Faubourg Saint-Martin
Passage des Petites-Écuries: 61, rue du Fg Saint-Denis
Brasserie FLO: 7, cour des Petites-Écuries
Brasserie Julien: 16, rue du Faubourg Saint-Denis
New Morning: 7 & 9 rue des Petites-Écuries
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