Rote Brücke ǀ © Paris Kontrast

Landschaftsarchitektur im Pariser Vorort Cergy-Pontoise

Publiziert am 02/09/2011 von piahoelz

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In der rund 28 Kilometer nordwestlich von Paris gelegenen Satellitenstadt Cergy-Pontoise wartet auf Liebhaber moderner Landschaftsarchitektur ein ganz besonderes Architektur-Erlebnis: Die Axe Majeur, ein Projekt des israelischen Landschaftsarchitekten Dani Karavan.

Halb Skulptur, halb Land Art, bestehend aus mehreren Ebenen, erstreckt sich das im Jahre 1980 erbaute monumentale Werk in Richtung Paris und schreibt sich in die historische Achse der Hauptstadt (Tuilerien-Gärten – Arc de Triomphe – Grande Arche de la Défense) ein.

12 thematische Stationen, in Anspielung auf die 12 Stämme Israels, die 12 Apostel, die 12 Sternzeichen, die 12 Monate eines Jahres, säumen die rund 3 Kilometer lange strukturale Landschaftsachse.

Ausgangspunkt ist die Place des Colonnes Hubert-Renaud* (die mit * gekennzeichneten Begriffe werden am Ende des Artikels erläutert) und der 36 Meter hohe Belvédère Turm,  von dessen Spitze aus man die gesamte Ausdehnung der Stadt sehen kann.

Turm BélvedèreDer Platz ist umgeben von pompösen Gebäuden im neoklassizistischen Stil, die vom katalanischen Architekten Ricardo Bofill entworfen wurden.  Der Spitzname des Platzes lautet „kleines Versailles“. Nur schwer zu glauben, dass hier  Sozialwohnungen untergebracht sind. Übrigens inspirierte der Ort den französischen Regisseur Eric Rohmer: Eine der Hauptfiguren  seines Films „l’ami de mon amie“ („der Freund meiner Freundin“) wohnte in einer der Wohnungen.
Die rund 3 Kilometer lange Achse beginnt am Turm und mündet zunächst in einer Parkanlage mit Obstgärten, die zu Ehren des impressionistischen Malers Camille Pisarro, der in Pontoise lebte und arbeitete, errichtet wurden.

Gebäude von Ricardo BofillVon hier aus geht es weiter zur  Esplanade de Paris, auf der rund 10.000 Menschen Platz finden. Die Terrasse mit Panoramablick auf Paris und Umgebung ist mit 12 weißen Säulen geschmückt, ein Verweis auf die 12 Elemente der Axe Majeur. Sie stehen in Beziehung zu den in rund 30 Kilometer Entfernung sichtbaren Türmen des Hochhausviertels La Défense.

12 SäulenAbwärtsführende Stufen laufen vorbei an den Gärten der Menschenrechte, die die bewohnte Hochebene mit der Oise, einem Seitenfluss der Seine, verbinden.  Als Zeichen des Friedens pflanzte hier der damalige französische Präsident Franςois Mitterrand 1990 einen Olivenbaum, der  aus der Geburtsstadt Leonardo da Vincis stammt.

Nächste Etappe ist das amphithéâtre Gerard Philipe* mit einer Bühne, die sich inmitten eines Bassins befindet. Hier finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt.

Die rote Brücke verbindet das amphithéâtre Gerard Philipe mit der Bühne und der île astrologique. Letztere thront inmitten der étangs  de Cergy-Neuville. Sie beherbergt Instrumente, die es erlauben,  die Zeit zu messen und sich im Universum zu situieren. Neben ihr ragt eine aus Pflastersteinen vom Louvre erbaute Pyramide. Weitläufige Grünflächen und Pfade am Ufer laden zum Spazierengehen und Picknicken ein. Letzte Etappe ist der carrefour (Kreuzung) de Ham, 1,5 Kilometer entfernt von der île astrologique. Sie bildet einen der Eingänge der villes nouvelle.

Rote Brücke

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PRAKTISCHE INFORMATIONEN:

Mit der RER A3, entspricht der deutschen S-Bahn,  von der Haltestelle Charles-de-Gaulles Etoile bis zur Haltestelle Cergy Saint Christophe ungefähr 40. Minuten Fahrzeit. Das Ticket kostet 6, 30 Euro.

ERLÄUTERUNGEN:

  • Hubert-Renaud: Bürgermeister von Cergy-Pontoise von 1953 bis 1987
  • Gerard Philipe: Französischer populärer Schauspieler, der im 2.Weltkrieg in der Résistance kämpfte
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