Das große Kirchenschiff von 1245. © Thérèse Hilbold

Das Collège des Bernardins ist ein gotisches Kleinod und eine intellektuelle Hochburg in Paris

Publiziert am 17/02/2014 von theresehilbold

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Das prachtvolle mittelalterliche Collège des Bernardins wurde 2008 nach umfangreichen Bauarbeiten wieder eröffnet. Ein Besuch dieses Gebäudes, das keine Abtei, sondern eine zisterziensische „Kirchenschule“ war, ermöglicht spannende Einblicke in das architektonische, intellektuelle und religiöse Paris des 13. Jahrhunderts bis zu den heutigen Tagen.

Eine Kirchenschule im 13. Jahrhunder

Über die Rue des Bernardins erreicht man den ältesten Teil des Gebäudes, ein in der Mitte des 13. Jahrhunderts erbautes gotisches Kirchenschiff, das bis zur Revolution mehreren Tausend Mönchen, die aus ganz Nordeuropa hergekommen waren, als Studienort diente.

Bekannte Persönlichkeiten wie der Theologe Abélard und Benoît XII., Papst in Avignon, haben das Kolleg regelmäßig besucht. Hier wurden Theologie, Physik, Astronomie, Mathematik, Rhetorik und andere mittelalterliche Universitätsdisziplinen unterrichtet.

Mit seinen 32 Säulen und drei Bankreihen ist das große Kirchenschiff das längste mittelalterliche in Paris. Mit einer Länge von 70 Meter, einer Breite von 14 Meter und einer Höhe von 6 Meter ähnelt es der Spiegelgalerie in Versailles in dessen Größe.

Der Gebäudeboden liegt derzeit 7 Meter unterhalb der Straßen des Quartiers, da das Pariser Straßenniveau sich seit acht Jahrhunderten deutlich erhöht hat. Auf einer Seite des Kirchenschiffs findet man ein prachtvolles „Waschbecken“ aus dem 18. Jahrhundert in Muschelform, das an eine Jakobspilgermuschel erinnert.

Das „Waschbecken“ des Speisesaals der Mönche (18. Jahrhundert). © Thérèse Hilbold

Am nördlichen Ende dominiert eine monumentale Christus-Skulptur aus dem 14. Jahrhundert das Kirchenschiff. Einige Stufen führen zu einer spätgotischen Sakristei (Mitte 14. Jahrhundert). Über diesen Weg gelangten die Mönche zu einer großen und prachtvollen Kirche, die jedoch unvollendet blieb.

Das in drei Jahren erbaute Kolleg wurde 1245 gegründet, von Etienne de Lexington, Abt der Zisterzienserabtei von Clairvaux. In einer Bulle des Papstes Innozenz IV. ermutigte man den Zisterzienserorden, die Verspätung zu den Franziskanern und Dominikanern im Bereich der Bildung aufzuholen, während immer mehr Universitäten in Europa (Paris, Oxford, Cambridge, Montpellier) gebaut wurden.

In der Mitte des 13. Jahrhunderts zählte Paris, das als intellektuelle Hauptstadt Europas galt, rund 200 000 Einwohner. Aber das Collège des Bernardins war außerhalb der Stadtmauern, auf dem linken Seine-Ufer, erbaut worden.

Die Mönche, zunächst nur zu zehnt, aber schon bald zu hundert, absolvierten lange Studienjahre im Kolleg, manchmal blieben sie 15 Jahre. Sie galten als die intellektuelle Elite ihres Ordens.

Sie wohnten, aßen und studierten in dem Gebäude. Das große, durch Trennwände abgeteilte Kirchenschiff diente als Speisesaal, Bibliothek, Skriptorium…. Die Mönche schliefen im oberen Stockwerk in Zellen, die zuerst nur von einem Vorhang, dann ab dem 18. Jahrhundert von Trennwänden abgeteilt wurden.

A l’extrémité nord, une monumentale sculpture du Christ du 14e siècle retrouvée dans les fondations domine la nef. Quelques marches permettent d’accéder, plus bas, à une belle sacristie de style gothique flamboyant (mi-14e siècle). C’était le passage réservé aux moines pour entrer dans une grande et belle église qui n’existe plus, sacrifiée aux besoins de l’urbanisme après la Révolution, sans avoir jamais été terminée.

Der Christus aus dem 14. Jahrhundert. © Thérèse Hilbold

Der hintere Teil des von der Christus-Figur dominierten großen Kirchenschiffs. © Thérèse Hilbold

Im Untergeschoss befindet sich ein großer Vorratskeller mit 32 romanischen Säulen und drei Kirchenschiffen, der dazu diente, die Vorräte zu lagern. Aber das Gewicht des Gebäudes und die Instabilität des Bodens, der häufig von der nahen Seine überschwemmt wurde, signalisierten Einsturzgefahr.

Durch das Aufstellen von Stützbalken versuchten die Mönche, den Vorratsraum vor dem Einstürzen zu schützen. Aber schon bald mussten sie den Keller bis zu den Kapitellen mit Erde zuschütten, um den Bau zu stabilisieren. Bei seiner Restaurierung wurden 4000 Tonnen Erde aus dem Vorratsraum entfernt und die Architekten mussten 325 Pfähle unter den Säulen und Wänden aufstellen, um sie zu stabilisieren.

Das Kolleg lag auf einem vier Hektar großen, von hohen Mauern umgebenden Anwesen, mit einem großen Garten, der die Mönche mit Nahrung versorgte. Heute gibt es nur noch wenige Überreste der Nebenbauten, aber man kann sie noch auf dem großen Plan von Turgot von 1734 sehen. Sie sind nach und nach im Zuge der Zerstörung des Kollegs nach der Revolution verschwunden.

Das Kolleg erlebte im 17. Jahrhundert eine neue Blütezeit. Große Bauarbeiten wurden damals bewältigt, besonders der Bau einer Treppe und von Wohnungen für den Abt im ersten Stock.

Von der Revolution zur „Renaissance“ im Jahr 200

Aber die Revolution versetzte dem Kolleg einen harten Schlag: Sie vertrieb alle Schüler, bis auf sechs Mönche.

1791 wurde das Gebäude zum Nationaleigentum erklärt. Das Hauptgebäude diente als Gefängnis für Galeerensträflinge, als Lager und ab 1845 als Kaserne der Feuerwehr.

Sein Dach erlitt Schäden bei einem Brand und wurde mit kleinen Mitteln wieder aufgebaut, ohne seine ursprüngliche Architektur zu berücksichtigen.

Der Zustand des Gebäudes verschlechterte sich zunehmend, bis es 2001 von der Diözese Paris gekauft wurde.

Die sehr technischen Bauarbeiten dauerten vier Jahre, von 2004 bis 2008. Das Budget von 50 Millionen Euro wurde zu 30 Prozent aus Mitteln für historische Denkmäler, 35 Prozent von der Diözese und 35 Prozent von Mäzenen finanziert.

Der romanische Vorratsraum im Kellergeschoss. © Thérèse Hilbold

Heute hat das Kolleg viele seiner ursprünglichen Missionsziele (Hochschulbildung, Ort für philosophische und gesellschaftliche Debatten, kulturelle und religiöse Verbreitung) wiedergefunden, aber der große Unterschied ist seine Öffnung für die breite Öffentlichkeit: Aktivitäten für ein junges Publikum zwischen 6 und 16 Jahren und für seine Eltern (Philosophisches Frühstück, Philosophisches Kino) sowie Märchenlektüre für die Jüngsten, Konzerte, künstlerische Ateliers werden angeboten.

Für die Erwachsenen gibt es ein Musikprogramm (Konzerte, Diskussionen, Performances) sowie Ausstellungen, Kolloquien, Konferenzen und Debatten über Themen wie künstliche Befruchtung, Bildung, Faschismus und Kommunismus….

Die Kirchenschule des Kollegs bietet auch Lehrgänge – mit und ohne Diplom -, die an alle Personen gerichtet sind, die die christliche Religion entdecken oder ihren Glauben vertiefen möchten. Die das ganze Jahr hindurch stattfindenden Kurse behandeln die Bibel, das Judentum, die Philosophie, die Kunst, die religiöse Geschichte und die Theologie…

Praktische Hinweise:

Collège des Bernardins
20 rue de Poissy
75005 PARIS
www.collegedesbernardins.fr

Metro: Maubert-Mutualité, Cardinal Lemoine, Jussieu
Bus: 24, 47, 63, 86, 87, 89

Geführte Touren: täglich um 16 Uhr

Informationen: 01.53.10.74.44

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