Das Teich-Biotop mit Schilf ǀ Foto © Thérèse Hilbold

Clichy-Batignolles: In einem künftigen Öko-Quartier entsteht ein Park

Publiziert am 21/11/2012 von theresehilbold

Dieser Artikel ist auch verfügbar in: Französisch

Nordwestlich von Paris, im 17. Arrondissement, wohnt man gerade einem seltenen Phänomen in einer Großstadt bei: Inmitten eines ganz neuen, auf einem brachliegenden Eisenbahngelände von rund 50 Hektar erbauten Öko-Quartiers, entsteht ein Park.



style="display:inline-block;float: right; margin: 0px 0px 0px 10px;width:300px;height:250px"
data-ad-client="ca-pub-5902659858097851"
data-ad-slot="9336336309">

Nach 15 Jahren Bauarbeiten soll die gigantische Baustelle Clichy-Batignolles bis 2017 fertig gestellt werden. Sie profitiert von einer außerordentlichen Begebenheit: Ein riesiges Feld, ein ehemaliges Aufbewahrungslager für Dampfeisenbahnen, wurde freigelegt. Durch seinen Abriss wurde Platz geschaffen für ein ehrgeiziges Wohnungsbauprogramm mit Büros, Geschäften, Kindergärten und Schulen. In der Mitte all dessen liegt ein Park, der bei Bauabschluss eine 10 Hektar große Fläche erreichen wird.

Das Projekt wird gekrönt mit dem Bau eines 110 Meter hohen Turmes, der von dem Architekten Renzo Piano entworfen wurde. Er soll das neue Gerichtsgebäude beherbergen, dem es auf der historischen Cité an ausreichendem Platz mangelt.

Heute nutzen die Spaziergänger in Paris mit Begeisterung einen großen Teil des Parks, während sich ringsherum die ersten Gebäude in die Höhe strecken. Das Projekt in seiner Gesamtheit aber können sie sich nur anhand von Modellen, Plänen und Baustellenbesuchen vorstellen.

Der Park Martin Luther King unter dem dreifachen Zeichen des Wassers, des Körpers und der Jahreszeiten

Präsentiert als das Wahrzeichen des Öko-Viertels Clichy-Batignolles, erstreckt sich der Martin-Luther-King-Park heute auf 4,3 ha. Im Jahr 2014 wird die Parkfläche auf 7 ha erweitert und am Ende wird die gesamte für das Publikum zugängliche Fläche 10 ha betragen. Im Vergleich: Der Jardin des Tuileries misst 25,5 ha und der Park André-Citroën 13,5 ha.

Im Süden des Parks befinden sich viele Spiel- und Sportplätze für Kinder, die schnell von Jugendlichen in Beschlag genommen wurden: Skateboard, Basketball, Fußball, Tennis, Spiele für die Kleinen und Mittelgroßen…

Bei schönem Wetter kann man es sich auf Grünflächen, Bänken und Stühlen bequem machen, oder sich an ruhigere, von Büschen geschützter, Orte zurückziehen. Aber die schmalen, den Garten durchquerenden Pfade sind schnell überlaufen und Spaziergänger und Jogger konkurrieren freundlich um den Platz…

Der Park, der von dem Landschaftsarchitekten Jacqueline Osty entworfen wurde, verbucht einen bemerkenswerten Erfolg: einen See mit Schilf, der bereits eine ganze Fauna Wasservögel anzieht.

Die Vegetation ist besonders gepflegt und vielfältig: 624 Bäume, 5600 Büsche, 200 Kletterpflanzen, 51.000 Stauden und Wasserpflanzen, 47.000 Knollen, 8.400 m2 Rasen…

Für das Frühjahr verspricht man uns eine herrliche Aprikosen-, Magnolien-, Alpenrosen-, Krokus- und Narzissenblüte…

Im Sommer ist das Fest der Gräser. Im Herbst wetteifern die Baumblätter in feurigen Farben miteinander und im Winter herrscht eine schöne Waldstimmung. Alle Arten sind so ausgewählt, das Aufsammeln der Blätter durch die Gärtner zu minimieren.

Das Wasser, eines der großen symbolischen Themen des Parks, gibt es in allen seinen Formen: Es sprudelt, schießt hervor, verteilt sich, verdampft, eignet sich für Spiele, kann getrunken werden, wird als Dekor eingesetzt, bewässert die Pflanzen… Es durchläuft 78 Wasserdüsen, ein großes Teich-Biotop und einen 1500 Kubikmeter großen Speichertank.

Das Teich-Biotop ist entlang des kleinen Eisenbahngürtels gebaut, der zurzeit den Park im Norden abgrenzt. Bald werden die Besucher die ehemalige Ringbahnlinie über eine Brücke überqueren können. Das Becken dient dazu, das neugewonnene Wasser zu reinigen, bevor es für die Bewässerung verwendet wird. Der Wasserkreislauf wurde entwickelt, um die Umwelt durch Biodiversität zu begünstigen.

Das Regenwasser wird in Rinnen, in einem feuchten offenen Graben oder Becken-Biotop gesammelt. Es wird auf natürliche Weise von Pflanzen im Teich-Biotop gefiltert. Es wird anschließend zu einem großen unterirdischen Lagertank geleitet, der auch das überschüssige Wasser des Becken-Biotops speichert.

Von dem Speicher geht das Rohrleitungssystem für die Parkbewässerung ab. In der Trockenzeit übernimmt ein Windrad seine Aufgabe, um den feuchten Graben und Bewässerungsleitungen zu versorgen.

Die bepflanzten Dächer der Gebäude, die rund um die Parkanlage gebaut werden, werden dazu beitragen, den Regenwasserabfluss in die Kanalisation um 50% zu reduzieren.

Südlich des Bassin-Biotops befindet sich ein weitläufiger Platz mit 78 Wasserstrahlern, die auf Steinplatten herabsprudeln und die zum Spielen und im Sommer zum Erfrischen benutzt werden. Außerdem bieten sie den vorbeilaufenden Fußgängern ein optisches und akustisches Schauspiel.

Schließlich sollte man nicht den Besuch im Gemeinschaftsgarten verpassen, der von einem Verein des Viertels verwaltet wird. Er liegt an der Ostseite des Parks und ist in kleine Parzellen unterteilt, die in der Obhut der Pariser Vereinsmitglieder und Gartenliebhaber liegen. Die Warteliste, um sich zu registrieren, ist lang, aber die Hobby-Gärtner beraten gerne, schenken eine Blume oder eine aromatische Pflanze…

Praktische Informationen

- RER C Anschluss (Stationen Porte d'Asnières, Porte de Clichy), Metro-Linie 13 (Porte de Clichy), Linie L des Transilien (Vorortszug), Verkehrsnetz SNCF Saint-Lazare und Bus (Linien 30, 31, 53, 54, 66, 74, 81, 94 und PC3). Andere Linien werden verlängert oder ausgebaut.

- Weitere Informationen auf: www.clichy-batignolles.fr und Maison du Projet, 147 rue de Cardinet, Paris 17. Bezirk (Öffnungszeiten Mittwoch, Freitag und Samstag von 14 bis 18 Uhr).

 Übersetzung: Pia Hölz

Download Artikel als PDF

Copyright © 2017