A la recherche des plantes sauvages ǀ © Thérèse Hilbold

Auf der Suche nach Wildpflanzen…

Publiziert am 05/07/2012 von theresehilbold

In den Zwischenräumen Pariser Bürgersteige, in Mauerrissen, zwischen Pflastersteinen oder unten am Fuße einer Treppe wachsen zahlreiche Wildpflanzen und genügsame Blumen, die tapfer dem Asphalt, der Umweltverschmutzung, dem Getrampel, der städtischen Reinigung und Unkrautvernichtung trotzen. Löwenzahn, Disteln, Gräser: Über 240 wilde Pflanzenarten sind als sehr „häufig“ in der feindlichen Welt der Pariser Straßen aufgelistet. Dies alles sind ermutigende Zeichen für unsere Artenvielfalt.

Sedum acre ǀ © Thérèse Hilbold

Sedum acre ǀ © Thérèse Hilbold

Centranthus ruber ǀ © Thérèse Hilbold
Centranthus ruber ǀ © Thérèse Hilbold

Aus diesem Grund sind alle Bewohner von Paris, auch die Ahnungslosesten in Botanik, dazu eingeladen, auf die Jagd nach diesen kleinen Schätzen zu gehen, mit einem Fotoapparat, einer Karte und einem Botanikführer bewaffnet, um sie zu identifizieren und aufzulisten. Das Ziel: das Aufstellen – Straße für Straße – einer Bestandsaufnahme der grünen und wilden Reichtümer der Hauptstadt, eine wissenschaftliche und pädagogische Operation, die im Jahre 2011 unter der Schirmherrschaft des Vereins Tela Botannica und des laboratoire Conservation des espèces, Restauration et Suivi des populations (CERSP) des Muséum national d’Histoire naturelle ins Leben gerufen wurde. „Die Lebensqualität der Stadtbewohner hängt auch von der Qualität ihrer Flora ab“, versichern die Organisatoren des Projekts. „Die Forscher brauchen Daten über die Stadt“.

L’herbe des mur ǀ © Thérèse Hilbold

In Mauerspalten wachsendes Gras ǀ © Thérèse Hilbold

Mousse couvre sol ǀ © Thérèse Hilbold

Boden bedeckendes Moos ǀ © Thérèse Hilbold

Der 9-Jährige Charlie und seine Mutter beteiligen sich an dieser bürgerlichen Arbeit: An jedem Sonntagmorgen im Frühjahr grenzen sie einen Bereich des Bürgersteigs in ihrem Viertel ein und folgen den Anweisungen, die auf der Website von Sauvages de ma rue beschrieben werden. Auf ihrer Karte tragen sie den Straßennamen, den Namen der angrenzenden Straßen, das Datum der Erfassung und die beobachteten Wildpflanzen ein. Dann posten sie ihre Beobachtungen auf der Website von Sauvages de ma rue. Die erhaltenen Ergebnisse auf einem Teil der Rue de Trévise (9. Arrondissement), am 4. Juni 2012: fünf oder sechs blühende Grasbüschel der Gattung Poa annua, ein gewöhnlicher Löwenzahn, der sich bereits zu einer Pusteblume entwickelt hat, und Euphorba-Kolonien in unterschiedlichen Größen.

Plante sauvage ǀ © Thérèse Hilbold
Wildpflanzen in der Stadt ǀ © Thérèse Hilbold
Plantes sauvages ǀ © Thérèse Hilbold
Städtische Pflanzen: Tauchen Sie in ihre Botanikführer ǀ © Thérèse Hilbold

Ich habe mich meinerseits auf die Suche nach städtischen Pflanzen gemacht. Am Fuß der Bäume, zwischen Eisengittern, findet man kleine Wunder. Dies stellt auch eine andere Weise da, die Stadt zu besichtigen, knapp über den Gehwegen. Dort versteckt sich eine starke Lebenskraft, den meisten Parisern unbekannt, die eiligen Schrittes daran vorbeilaufen.

Stellaria media

Stellaria media ǀ © Thérèse Hilbold

Die Versuchung kommt schnell: Man beginnt davon zu träumen, der Natur unter die Arme zu greifen, sich für „Tistou les pouces verts“ zu halten, diesen kleinen Jungen aus der gleichnamigen Erzählung von Maurice Druon, der die Stadt verwandelt, indem er die Gefängnisse und Krankenhäuser mit einem Blumenmantel bedeckt, durch das Einpflanzen von allerlei Samen.

Einige Pariser engagieren sich bereits in diesem Sinne: Sie haben eine „Garten-Stadtguerilla“ gegründet, mit nächtlichen Einsätzen, die „Samenbomben“ im öffentlichen Raum, den sie als vernachlässigt beurteilen, loslassen. Für sie gehört der Stadtraum allen und wir sind alle für unsere Umwelt verantwortlich.
Aber ob man sich nun an diesem politischen „Kampf” beteiligt oder nicht, hier sind die ersten vom Muséum erhaltenen Ergebnisse nach einem Testjahr in Paris: Die 550 Beobachter des Programms Ile-de-France haben 119 Pflanzengattungen auf 330 unterschiedlichen Gehwegen gefunden. Die am meisten beobachteten Gehsteige sind die des 10. und 18. Arrondissements. Die pflanzenreichste Straße von Paris ist die Passage des deux Portes (20. Arrond.) mit 35 Gattungen. Die Stars der Pariser Straßen sind der gewöhnliche Löwenzahn (101 Gehsteige) und das Kanadische Berufkraut (97 Gehsteige), beide Pflanzen haben „sehr viele bewegliche und durch den Wind verteilte Samen“ erzählen die Wissenschaftler von Sauvages de ma rue.

Anmerkungen:

- Die Seite sauvagesdemarue.mnhn.fr enthält alle Informationen, um an der Wildpflanzenzählung in den Straßen von Paris teilzunehmen.

- Die Stadt Paris beteiligt sich an der Operation des Museums durch die Definition eines etwas anderen Protokolls und durch die Fokussierung der Untersuchung auf 10 Wildpflanzengattungen: das Gänseblümchen, das Schöllkraut, die gewöhnliche Waldrebe, den gemeine Efeu, wovon sie ganz genaue Beschreibungen und Fotos bereitstellt. Der ganze Fragebogen muss ausgefüllt werden und an die Seite der Stadt, Enquêter sur les plantes sauvages-Paris.fr, zurückgesendet werden.

- Mit Spannung wird die Veröffentlichung – als unmittelbar bevorstehend angekündigt – des Nachschlagewerks „Sauvages de ma rue. Guide des Plantes sauvages des villes de France“ (Kollektiv unter der Leitung von Nathalie Machon, Coedition Le Passage/Muséum national d’histoire naturelle, Preis: 10 Euro) erwartet, aber es gibt zahlreiche Online-Pflanzenführer, die mit Fotos illustriert sind.

- Die Webseite www.images-flore-paris.net illustriert mit 570 Fotos Wildpflanzengattungen, die in Paris wachsen. Ideal um das Identifizieren der Pariser Flora zu erlernen, zumal es auch möglich ist, straßenweise und nach Arrondissement zu recherchieren. Aber noch nicht alle Straßen sind aufgeführt und außerdem sind die Entdeckungen von einem Jahr zum anderen sehr in Bewegung.

- Die Guerilla Gardening Paris vereint Aktivisten, die einen zu steinernen Städtebau kritisieren und mehr Natur in die Stadt bringen wollen. Die Internetseite der internationalen Organisation: guerillagardening.org.

Übersetzt aus dem Französischen von Pia Hölz.

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