Sammlerkleider in einem Saal von Drouot-Richelieu © Thérèse Hilbold

10 bis 100.000 Euro: Die Schätze des Pariser Auktionshauses Drouot in Reichweite

Publiziert am 30/06/2014 von theresehilbold

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Tausende Schmuckstücke, Bücher, Skulpturen, luxuriöse Kleidung und Jahrgangsweine werden alltäglich den Meistbietenden – ob Händler, Sammler oder Privatperson – in dem Pariser Auktionshaus Drouot angeboten. Ein einzigartiger Ort auf der Welt und zugleich ein faszinierendes Schauspiel…

Die Objekte haben einen Wert von 10 bis 100.000 Euro – manchmal sind sie sogar noch teurer. Aber es kommt vor, dass sich kein Käufer findet und sie dem folgenden Versteigerungsobjekt kostenlos hinzugefügt werden. Oder aber sie werden aus dem Verkauf herausgenommen, weil sie den vom Verkäufer festgelegten Mindestpreis nicht erreicht haben. Um diese Gegenstände zu erwerben genügt es, 10, 50, 100 und 500 Euro zu bieten und das letzte Wort zu haben, bevor der Auktionator seinen Hammer auf den Tisch fallen lässt und ausruft: „Verkauft“.

Das Auktionshaus Drouot-Richelieu in der rue Drouot (9. Bezirk) © Thérèse Hilbold

Unmittelbar darauf wird Ihnen ein Angestellter den Rubin-Goldring überbringen, den Sie gerade erworben haben (oder aber, in einem wesentlich bescheideneren Maße, einen vergoldeten Armreif von Yves Saint-Laurent) und nimmt Ihren Scheck in Höhe von 40.000 Euro (oder 25 Euro) entgegen – so einfach ist das.

Manchmal ist der Wettstreit unter den Bietenden so hart, dass im Saal der Atem angehalten wird, weil die angebotenen Summen schnell in schwindelerregende Höhen fliegen.

Für Versteigerungs-Neulinge ist es wichtig, mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben und zu wissen, wann sie aufhören sollten. Ohne Verständnis für den Kunstmarkt und Bluff sowie eine gewisse Spielleidenschaft wird man keinen Erfolg haben. Ist der Gewinner wirklich jener, der die Auktion gewinnt oder doch der, der sich rechtzeitig zurückziehen konnte?

Mehr als 160 Jahre stürmische Existenz…

Das Auktionshaus Drouot öffnete seine Türen mit viel Getöse im Jahr 1852 mit dem Verkauf des Besitzes des französischen Königs Louis-Philippe. Seit mehr als eineinhalb Jahrhunderten finden die renommiertesten Versteigerungen in dieser Einrichtung statt, die heute 74 Gesellschaften zur freiwilligen Versteigerung mit ihren Auktionatoren und mehr als 2.000 Fachleuten umfasst.

Alljährlich werden 500.000 Objekte aus verschiedenen Epochen, in unterschiedlichen Stilrichtungen und jeglichen Wertes zur Versteigerung angeboten. Sie werden vor den Verkäufen in 20 Sälen ausgestellt, wo die 5.000 täglichen Besucher von Drouot sie bewundern können, um sie eventuell zum gegebenen Zeitpunkt zu kaufen.

Clou des Verkaufes der Objekte der Olympischen Spiele: Eine der 33 Fackeln der Olympischen Winterspiele in Grenoble (1968). Die mit einem Wert von 30.000 bis 40.000 Euro geschätzte Fackel wurde am 29. Januar 2014 für 125.000 Euro erworben © Thérèse Hilbold

Zu den bemerkenswertesten Verkäufen zählen die Kunstwerke aus den Ateliers von Delacroix und Ingres (1864, 1867), die Gemälde aus dem Nachlass von Gustave Courbet (1881), der Nachlass von Eduard Manet (1884), die Sammlung der Brüder Goncourt (1897), das Atelier von Edgar Degas, die Erinnerungsstücke und Schmuckstücke des Zaren Alexanders II, der Nachlass von Fürstin Soraya, Brassaï und Mime Marceau (2009), die Sammlung Jacques Prévert (Juni 2010), die Erinnerungsstücke und berühmten Strohhüte von Maurice Chevalier (Dezember 2013)…

Diese Versteigerungen werden als „öffentlich“ bezeichnet, weil jedermann an ihnen teilnehmen, mitbieten und kaufen kann. Der Preis gilt als „gerecht“, weil er sich aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage ergibt.

Die französische Tradition dieser öffentlichen Versteigerungen basiert auf dem Professionalismus der Auktionatoren, deren Ausbildung und Tätigkeit streng durch das Gesetz geregelt werden. Beispielsweise engagieren sich die Auktionatoren fünf Jahre lang für die Echtheit des verkauften Gegenstandes, so wie er im Verkaufskatalog beschrieben wird.

Werbung für Fahrräder mit dem Olympiasieger © Thérèse Hilbold

Und sie werden streng von dem „Conseil des ventes volontaires“ überwacht – den Polizisten des Kunstmarktes. Dies dämmt Missbrauch ein, der zur Suspendierung eines großen Pariser Händlers und zweier Auktionatoren führte. Es wurde ihnen vorgeworfen, ihnen gehörende Gegenstände verkauft zu haben ohne das Publikum darüber zu informieren (was streng verboten ist) und fiktive Verkäufe zu Werbezwecken organisiert zu haben…

Missbräuche in diesem diskreten Milieu sind äußerst selten, provozieren aber immer wieder aufsehenerregende Skandale. Wie der Fall der „Savoyards“ – der Spitzname der Kommissionäre des Hotels Drouot (rund hundert Personen), die seit 1860 über die Lager, den Transport, den Schutz und den Aufbau der zu verkaufenden Gegenstände walten. 2010 hat eine gerichtliche Untersuchung gezeigt, dass rund 20 dieser „Savoyards“, die wegen ihrer Uniform auch „Cols rouges“ genannt werden, sich durch Betrug bereicherten, indem sie angeblich verlorene Gemälde, Diamanten und Schmuckstücke stahlen und weiterverkauften.

Nach der Verurteilung der Betrüger haben die Kunstmarkt-Polizisten dem mehr als 100-jährigen Monopol der Savoyards ein Ende gesetzt, indem sie das Auktionshaus dazu zwangen, andere Kommissionäre einzustellen.

Aber das stürmische Leben des Auktionshauses Drouot wird nicht nur von strafrechtlichen, sondern auch ethischen und politischen Fällen bewegt. Wie der Verkauf im April 2013 von 70 Masken des Indianerstammes Hopi aus Arizona, der von der französischen Justiz genehmigt wurde – trotz Einspruch des Stammes, der die Rückgabe der gestohlenen Objekte, die als heilig gelten, forderte. Zahlreiche Auktions-Gegner sprachen von einer Versteigerung, die von viel Unverständnis, Unwissenheit und Zynismus gekennzeichnet war.

Sammlerkleider in einem Saal von Drouot-Richelieu © Thérèse Hilbold

Ein weiterer „Fall“, der Polemik hervorrief: der Verkaufsstopp einer handschriftlichen Kopie der „Mémoires d’outre-tombe“ von Chateaubriand und die Überlassung derselben für einen unbekannten Preis an die französische Nationalbibliothek. Das 3.514 Seiten lange, aus zehn Bänden bestehende Manuskript – von Sekretären abgeschrieben und von Chateaubriand unterschrieben -, wurde auf 400.000 bis 500.000 Euro geschätzt. Es wurde also mit öffentlichem Geld erworben, aber die Öffentlichkeit wird nie den Preis kennen…

Kalender der Auktionen

Versteigerungs-Spezialisten und Sammler wissen, dass die renommiertesten Verkäufe, bei Drouot wie international, in den Monaten April, Mai und Juni sowie November und Dezember stattfinden. Aber genauso wie die Neulinge studieren sie genauestens den Kalender der Auktionen von Drouot und den von Fachzeitschriften wie „La Gazette de Drouot“

Liebhaber, Händler und Sammler können auf verschiedene Weise an den Versteigerungen teilzunehmen: Entweder wohnen sie persönlich einer Auktion bei oder sie nehmen per Telefon teil. Oder aber sie bieten über das Internet via der Website DrouotLive.

2013 hatten sich rund 50.000 Personen aus der ganzen Welt (USA, China) auf DrouotLive eingeschrieben, was eine Zunahme von mehr als 70% im Vergleich zu 2012 bedeutet. Deshalb hat sich die Zahl der auf der Plattform verkauften Gegenstände um 200% erhöht. Mehr als 50% der Bietenden sind Ausländer, laut Drouot.

2013 erbrachten die Auktionen insgesamt 407 Millionen Euro, darunter neun Versteigerungen mit mehr als einer Million Euro und 19 Weltrekorden. Die herausragendste Auktion erreichte 4,647 Millionen Euro für das Werk „Gefolge der Kaiserin Wu Zetian“ (Dynastie Tang 618-907).

Ein Modeschmucklot © Thérèse Hilbold

PRAKTISCH

Die Website www.drouot.com erhält alle praktischen Informationen über die Auktionen, mit einem Kalender der Versteigerungen der kommenden 15 Tage und einem Onlinekatalog.

Die Versteigerungen von Drouot werden in 20 Sälen an drei Orten organisiert.

- Drouot-Richelieu
16 Säle, die Gemälden, Möbeln und Kunstgegenständen gewidmet sind.
9, rue Drouot, 75009 Paris
01 48 00 20 20
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, von 11 bis 18 Uhr

- 12-Drouot
Ausstellungsraum
12, rue Drouot, 75009 Paris

- Drouot-Montmartre
Zwei Säle für Möbel-Auktionen
64, rue de Doudeauville, 750018 Paris
01 48 00 20 99

- Drouot-Véhicules
Ein Saal, der den Versteigerungen von leichten und schweren Fahrzeugen und Arbeitsmaschinen gewidmet ist.
17, rue de La Montjoie,
93210 - Plaine-Saint-Denis

Übersetzung: Pia Hölz

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